CSRD-Umsetzung für KMU

CSRD-Umsetzung für KMU

Die CSRD ist längst kein Zukunftsthema mehr. Auch wenn viele KMU (noch) nicht direkt berichtspflichtig sind, spüren sie den Druck über Lieferketten, Banken und öffentliche Ausschreibungen. Die Anforderungen sind klar – doch die Umsetzung bleibt für viele ein Rätsel.

ESG-Daten praktisch erfassen – Prozesse, IT, Rollen
Die größte Hürde ist selten das Verstehen der CSRD, sondern das Organisieren der Datenerfassung. KMU brauchen keine Großkonzerne-Tools – aber sie brauchen Struktur.

  • Prozesse definieren
    ESG-Daten entstehen nicht im Nachhaltigkeitsbericht, sondern im Tagesgeschäft. Typische Prozesspunkte:
    • Energie & Emissionen: Zählerstände, Fuhrparkdaten, Dienstreisen
    • Mitarbeiter & Soziales: Arbeitszeiten, Fluktuation, Weiterbildungen, Gesundheit
    • Lieferkette: Lieferantenbewertungen, Risikoanalysen
    • Governance: Compliance-Fälle, Richtlinien, Schulungen

      Wichtig ist: Wer liefert welche Daten, wie oft und in welchem Format?
  • Rollen festlegen
    Ein KMU braucht kein Sustainability-Department – aber klare Verantwortlichkeiten:
    • ESG-Verantwortliche/r: Koordination, Reporting, Schnittstelle zur Geschäftsführung
    • Datenowner (z.B. HR, Einkauf, Technik, …): Fachliche Datenerfassung
    • Geschäftsführung: Zielsetzung, Freigaben, Ressourcen
    • IT: Datenhaltung, Tools, Schnittstellen

      Ohne Rollen bleibt ESG ein „Nebenbei-Thema“ – und genau daran scheitern viele.
  • IT-Lösungen pragmatisch wählen
    KMU brauchen nicht sofort ein ESG-Softwaremonster. Startpunkte:
    • Excel/SharePoint als strukturierte Datensammlung
    • Einfache Formulare für wiederkehrende Daten
    • Automatisierte Exporte aus bestehenden Systemen (ERP, HR, Energie)
    • Erst später: spezialisierte ESG-Tools, wenn Datenvolumen steigt

      Wichtig ist Konsistenz, nicht Perfektion.

Verbindung zu bestehenden ISO-Managementsystemen
Viele KMU haben bereits ISO 9001, 14001 oder 45001 im Einsatz – ein riesiger Vorteil.

  • ISO-Systeme liefern bereits:
    • Prozesse
    • Verantwortlichkeiten
    • Dokumentation
    • Kennzahlen
    • Auditstrukturen
  • Integration
    • ESG-Ziele in die Managementbewertung aufnehmen
    • Risikoanalyse um Nachhaltigkeitsrisiken erweitern
    • Kennzahlen in bestehende KPI-Systeme integrieren
    • Prozesse (z. B. Lieferantenbewertung) um ESG-Kriterien ergänzen
    • Interne Audits nutzen, um ESG-Datenqualität zu prüfen

      CSRD und ISO sind keine Parallelwelten – sie ergänzen sich perfekt.

Typische Fehler in KMU
Viele KMU scheitern nicht an der CSRD – sondern an falschen Erwartungen.

  • Die häufigsten Stolpersteine:
    • Zu spät starten („Wir sind ja noch nicht berichtspflichtig…“)
    • Zu komplex denken – statt pragmatisch beginnen
    • Keine Verantwortlichkeiten → Datenchaos
    • Einmalige Datensammlung statt laufender Prozesse
    • Fehlende IT-Struktur → Excel-Wildwuchs
    • Keine Einbindung der Geschäftsführung
    • Fokus auf Bericht statt auf Management

Quick-Start-Roadmap für KMU
Eine kompakte Roadmap, die sofort umsetzbar ist:

  1. Schritt: Kick-off & Verantwortlichkeiten
    • ESG-Verantwortliche/r benennen
    • Geschäftsführung einbinden
    • Ziele und Scope definieren
  2. Schritt: Wesentlichkeitsanalyse
    • Welche Themen sind für das Unternehmen wirklich relevant?
    • Stakeholder einbeziehen
    • Risiken & Chancen bewerten
  3. Schritt: Datenlandkarte erstellen
    • Welche Daten existieren bereits?
    • Wo entstehen Lücken?
    • Wer ist Datenowner?
  4. Schritt: Prozesse & IT aufsetzen
    • Datenerfassungsprozesse definieren
    • Tools auswählen (Start: Excel / Share Point)
    • Rollen und Fristen festlegen
  5. Schritt: Pilotphase
    • Erste Datenerfassung durchführen
    • Qualität prüfen
    • Prozesse anpassen
  6. Schritt: Integration in ISO-Systeme
    • Ziele, KPI’s, Audits, Lieferantenprozesse
    • Dokumentation harmonisieren
  7. Schritt: Reporting & kontinuierliche Verbesserung
    • Bericht erstellen
    • Lessons Learned
    • Jährliche Weiterentwicklung

Die CSRD ist für KMU kein Monster – wenn man sie strukturiert angeht.
Mit klaren Rollen, einfachen Prozessen und einer pragmatischen IT-Lösung lässt sich die Umsetzung effizient starten. Wer früh beginnt, verschafft sich einen Wettbewerbsvorteil und reduziert langfristig Aufwand und Risiken.