Mit der neuen Version 5.0 der Renault Group Customer‑Specific Requirements (CSR) setzt der französische OEM seine Linie konsequent fort: mehr Transparenz, mehr Verantwortung, mehr Systematik in der Lieferkette. Die Anforderungen greifen tief in die Organisationen der Zulieferer ein – von Qualifikation über Sub‑Supplier‑Management bis hin zu Safety & Regulatory Themen.
Die Renault Group bestätigt mit der neuen CSR‑Version ihren Anspruch, weltweit einheitliche Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstandards durchzusetzen. Die Anforderungen gelten für alle Lieferanten und deren Sub‑Lieferanten, unabhängig von Produktumfang oder Standort.
Die CSR ergänzen die IATF 16949:2016 und definieren jene Punkte, die Renault zusätzlich erwartet – insbesondere in den Bereichen Produktqualität, Prozessrobustheit, Compliance, Nachhaltigkeit und Change Management.
Starke Betonung auf Produkt- & Prozesssicherheit
Renault fordert eine klare und nachweisbare Absicherung aller Safety & Regulatory Characteristics:
- Pflicht zur Integration sicherheitsrelevanter Merkmale in den Control Plan
- Durchführung von Conformity of Production (COP)‑Tests entsprechend den Vermarktungsländern
- Bereitstellung vollständiger Testberichte auf Anfrage
- Nachweis, dass die gesamte Serienproduktion den gesetzlichen Anforderungen entspricht
Damit verschärft Renault die Verantwortung der Lieferanten – Fehler in sicherheitsrelevanten Merkmalen werden als Trust Disruption eingestuft und können unmittelbar zu Eskalationen im IATF CMS führen.
Corporate Responsibility – klare Mindeststandards
Renault betont erneut die Bedeutung sozialer und ökologischer Verantwortung. Zulieferer müssen nachweislich sicherstellen:
- Kein Kinder- oder Zwangsarbeit
- Sichere und faire Arbeitsbedingungen
- Umwelt- und Gesundheitsschutz
- Verpflichtung zur Renault‑DDSF (Déclaration des Droits Sociaux Fondamentaux)
Als akzeptierte Nachweise gelten u. a.:
- ISO 26000‑Bewertungen
- ISO 45001 / ISO 14001 Zertifizierungen
- 2nd‑Party‑Audits
- Kundenspezifische CSR‑Evaluierungen
RGPQP – das Herzstück der Projektabwicklung
Renault ersetzt klassische APQP/PPAP‑Mechanismen durch das eigene System RGPQP.
Neu in Version 5.0:
- SCQR (Supplier Customer Quality Representative) muss alle zwei Jahre durch einen anerkannten RGPQP‑Trainer geschult werden
- Projektteams benötigen ebenfalls regelmäßige Schulungen
- Sub‑Supplier‑PSW müssen vor der finalen PSW‑Einreichung vollständig validiert sein
- Reverse FMEA (R‑FMEA) wird verpflichtend zur kontinuierlichen Verbesserung
Damit wird RGPQP noch stärker zum zentralen Steuerungsinstrument für Projekte und Serienanläufe.
Sub‑Supplier‑Management – deutlich verschärft
Renault fordert eine stringente Durchreichung aller Qualitätsanforderungen an Tier‑N‑Lieferanten.
Neu ist:
- Leistungsziele müssen individuell und realistisch pro Sub‑Supplier definiert werden
- Tier‑1‑Lieferanten müssen ihre Proxi‑Ressourcen (Labore, Prüfmittel, Experten) im Krisenfall mit Sub‑Lieferanten teilen
- Sub‑Supplier‑PSW‑Validierung ist zwingend vorgeschrieben
Damit adressiert Renault ein zentrales Risiko der Branche: Qualitätsprobleme in tieferen Ebenen der Lieferkette.
Change Management – Null Toleranz bei Abweichungen
Unangekündigte Änderungen gelten als schwerwiegender Verstoß.
Pflichtmeldungen betreffen:
- Produktänderungen
- Prozessänderungen
- Standortwechsel
Alle Änderungen müssen über die offiziellen Renault‑Formulare (Design Change Request / Process & Facility Change Request) eingereicht werden.
Nicht genehmigte Änderungen führen automatisch zu einer IATF Performance Complaint.
Renault Supplier Score Card (RSSC)
Die RSSC bleibt das zentrale Bewertungssystem für Lieferantenperformance.
Version 5.0 bringt:
- neue Struktur und klarere Darstellung
- stärkere Gewichtung von Change Management und Sub‑Supplier‑Performance
- direkte Verknüpfung mit Eskalationsstufen (L3/L4, SHC, ASES, OSA)
Ein schlechter RSSC‑Score kann zu Sonderstatus, zusätzlichen Auditzeiten oder sogar Geschäftsstopps führen.
Die Renault CSR Version 5.0 ist ein weiterer Schritt in Richtung robuster Lieferketten, höherer Prozesssicherheit und konsequenter Nachhaltigkeit.
Für Zulieferer bedeutet das:
- mehr Dokumentation
- mehr Nachweise
- mehr Verantwortung – auch für Sub‑Supplier
Wer Renault beliefert, muss seine Organisation klar auf diese Anforderungen ausrichten. Die CSR sind nicht nur ein Qualitätsstandard, sondern ein umfassendes Governance‑Instrument für die gesamte Lieferkette.
Die vollständigen aktualisierten Renault Group spezifischen Anforderungen an das QM-System können hier heruntergeladen und nachgelesen werden.