CSRD, Omnibus und VSME: Ist Nachhaltigkeitsberichterstattung für KMU jetzt vom Tisch?

CSRD, Omnibus und VSME: Ist Nachhaltigkeitsberichterstattung für KMU jetzt vom Tisch?

Die europäische Nachhaltigkeitsregulierung befindet sich im Wandel. Mit dem Omnibus-I-Paket hat die Europäische Union die ursprünglichen Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung und die unternehmerische Sorgfaltspflicht deutlich angepasst. Ziel ist es, Unternehmen administrativ zu entlasten und die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Wirtschaftsstandorts zu stärken.

Gerade für kleine und mittlere Unternehmen stellt sich daher eine zentrale Frage: Ist das Thema Nachhaltigkeit damit vorerst erledigt?

Die kurze Antwort lautet: Nein. Auch wenn zahlreiche Unternehmen künftig nicht mehr unmittelbar zur umfassenden Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet sein werden, bleiben Nachhaltigkeitsinformationen ein wichtiger Bestandteil wirtschaftlicher Geschäftsbeziehungen.

Was hat sich durch das Omnibus-Paket verändert?

Die ursprüngliche Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) hat die Nachhaltigkeitsberichterstattung in Europa grundlegend erweitert. Unternehmen mussten sich mit Themen wie Klimawandel, Ressourcenverbrauch, Arbeitsbedingungen, Menschenrechten und Unternehmensführung auseinandersetzen.

Mit dem Omnibus-I-Paket wurden die Schwellenwerte für die verpflichtende Berichterstattung deutlich angehoben. Der angepasste Anwendungsbereich konzentriert sich im Wesentlichen auf Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und mehr als 450 Millionen Euro Nettoumsatz.

Zusätzlich wurden die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) vereinfacht. Die überarbeiteten Standards treten am 10. November 2026 in Kraft und sind grundsätzlich für Geschäftsjahre ab 2027 anzuwenden. Für das Geschäftsjahr 2026 bestehen Übergangsmöglichkeiten.

Für viele KMU bedeutet das eine erhebliche Entlastung. Sie werden vielfach nicht selbst berichtspflichtig sein.

Doch daraus abzuleiten, dass Nachhaltigkeit für diese Unternehmen keine Rolle mehr spielt, wäre ein Trugschluss.

Warum Nachhaltigkeitsdaten weiterhin gefragt sind

Unternehmen sind Teil komplexer Wertschöpfungsketten. Große Industriebetriebe, internationale Konzerne, Banken und Finanzdienstleister benötigen weiterhin Informationen über die Nachhaltigkeitsleistung ihrer Geschäftspartner.

Ein produzierendes KMU kann beispielsweise von einem Großkunden aufgefordert werden, Angaben zu folgenden Themen bereitzustellen:

  • Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen
  • Abfallaufkommen und Ressourceneinsatz
  • Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz
  • Umweltmanagement und Umweltziele
  • Lieferantenmanagement und soziale Verantwortung
  • Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz

Diese Informationen können Einfluss auf die Lieferantenbewertung, die Vergabe von Aufträgen und die Finanzierungsmöglichkeiten eines Unternehmens haben.

Nachhaltigkeit wird damit zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor – unabhängig davon, ob eine unmittelbare gesetzliche Berichtspflicht besteht.

VSME: Ein pragmatischer Einstieg für KMU

Mit dem Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs (VSME) hat die Europäische Kommission einen freiwilligen Standard für kleine und mittlere Unternehmen geschaffen.

Der VSME soll insbesondere dabei helfen, wiederkehrende Informationsanforderungen von Kunden und Finanzinstituten strukturiert und möglichst einheitlich zu beantworten.

Der Standard umfasst unter anderem:

  • Allgemeine Unternehmensinformationen
  • Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen
  • Umwelt- und Ressourcenmanagement
  • Abfall und Kreislaufwirtschaft
  • Mitarbeiterstruktur und Arbeitssicherheit
  • Unternehmensführung und relevante Compliance-Themen

Der wesentliche Vorteil: Unternehmen können ihre Nachhaltigkeitsinformationen systematisch erfassen und für unterschiedliche Anfragen nutzen, anstatt immer wieder neue Fragebögen mit teilweise identischen Inhalten auszufüllen.

Nachhaltigkeitsmanagement statt reiner Datensammlung

Ein Nachhaltigkeitsbericht allein verbessert noch keine Unternehmensleistung.
Entscheidend ist, die erhobenen Daten mit konkreten Managementprozessen zu verbinden.
Ein sinnvoller Einstieg könnte beispielsweise so aussehen:

1. Ausgangssituation analysieren

Welche Umwelt-, Energie- und Sozialthemen sind für das Unternehmen tatsächlich relevant? Welche Daten sind bereits vorhanden?

2. Wesentliche Kennzahlen definieren

Energieverbrauch, CO₂-Emissionen, Abfallmengen, Arbeitsunfälle oder Schulungsstunden können geeignete Ausgangspunkte sein.

3. Ziele und Maßnahmen festlegen

Aus den Kennzahlen sollten konkrete Verbesserungsziele abgeleitet werden. Beispielsweise eine Reduktion des Energieverbrauchs, eine verbesserte Materialeffizienz oder die Verringerung von Ausschuss.

4. Verantwortlichkeiten definieren

Nachhaltigkeit darf nicht ausschließlich bei einer einzelnen Person oder Abteilung liegen. Einkauf, Produktion, Technik, Personal und Geschäftsführung müssen eingebunden werden.

5. Ergebnisse regelmäßig bewerten

Die Wirksamkeit der Maßnahmen sollte anhand nachvollziehbarer Kennzahlen überprüft und im Rahmen der Managementbewertung behandelt werden.

Unser Benefit für Unternehmen

CoFe e.U. unterstützt Unternehmen dabei, Nachhaltigkeitsanforderungen pragmatisch und wirtschaftlich sinnvoll in bestehende Managementstrukturen zu integrieren.

Dabei geht es nicht darum, zusätzliche Bürokratie aufzubauen, sondern vorhandene Systeme und Daten intelligent zu nutzen.

Mögliche Schwerpunkte sind:

  • Analyse bestehender Nachhaltigkeits- und Umweltmanagementstrukturen
  • Unterstützung bei der Einführung eines VSME-orientierten Berichtswesens
  • Aufbau von Energie- und CO₂-Kennzahlensystemen
  • Integration in ISO 9001, ISO 14001 und ISO 50001
  • Lieferanten- und Nachhaltigkeitsbewertungen
  • Ableitung konkreter Verbesserungsmaßnahmen

Nachhaltigkeit bleibt ein Managementthema

Die regulatorischen Anforderungen verändern sich. Für viele KMU wird die unmittelbare Berichtspflicht geringer. Die Erwartungen von Kunden, Banken und Geschäftspartnern bleiben jedoch bestehen.

Unternehmen, die ihre Nachhaltigkeitsdaten kennen, Risiken frühzeitig erkennen und Verbesserungen systematisch umsetzen, schaffen sich einen klaren Vorteil.

Weniger Berichtspflicht ist eine Chance, Nachhaltigkeit auf das Wesentliche zu konzentrieren: messbare Verbesserungen und langfristige Wettbewerbsfähigkeit.